New Work – New Normal?

Bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie taucht ein Begriff immer häufiger auf: New Work und Homeoffice. Dass das eine nicht zwangsläufig mit dem anderen zu Tun hat, sollte auf der Hand liegen. Wer sich allerdings wenig bis gar nicht mit New Work beschäftigt, könnte annehmen, dass Homeoffice ja schon irgendwas mit neuer Arbeit zu tun haben wird.


Der Begriff „New Work“ bzw „Neue Arbeit“ wurde von Frithjof Bergmann maßgeblich geprägt (Link). In meiner Masterthesis habe ich dazu geschrieben:


Neue Arbeit steht dabei für eine Abkehr von der sogenannten „Lohnarbeit“, die mit der Industrialisierung in die Gesellschaft einzog, hin zu einer Arbeit, die Menschen nach ihrer Motivation und ihrer Kompetenz hin, einsetzt. Bergmann (2004, S.11) schreibt dazu: „Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen“. Die Idee ist, dass Mitarbeiter durch die Arbeit, die sie leisten, nicht ausgelaugt und demotiviert werden, sondern sie soll Kraft und Energie verleihen. Die Neue Arbeit nach Bergmann soll die Arbeit so transformieren, dass sie Menschen entwickelt und so „freie, selbstbestimmte, menschliche Wesen hervorbringt“ (2004, S.12).


New Work ist allerdings kein Selbstzweck – daher bin ich mit der Definition von Bergmann nicht ganz einverstanden. Die Arbeit an sich folgt immer einem Zweck: der Generierung von Geschäft und dem (hoffentlich) Erfüllen eines Kundennutzens. Aber eigentlich wollte ich hier jetzt keinen wissenschaftlichen Artikel schreiben (laut der Beurteilung meiner Masterthesis kann ich das auch gar nicht lach – das ist aber eine andere Geschichte ;-)). Zurück also zum Ursprung des Beitrags und der Frage ob dieses „New Work“ nicht jetzt vielleicht tatsächlich zum „New Normal“ geworden ist oder gerade wird. Ich glaube nicht. Ich würde es mir sehr wünschen, aber ich glaube wir erleben gerade wieder die Abkehr von Freiheit und Flexibilität. Mit jedem Mitarbeiter, der zurück ins Büro zitiert wird („war ja jetzt auch lange genug zu Hause“) gehen wir langsam aber sicher wieder zurück in die Pre-Corona Phase der Lohnarbeit. Und da hilft es auch nicht, dass Unternehmen wie Siemens (Link) vor einiger Zeit sehr öffentlichkeitswirksam angekündigt haben, Homeoffice (ja genau, nicht mal mobiles Arbeiten) weiterhin anzubieten bzw. die Kapazitäten dafür auszubauen. Dabei wäre genau jetzt der absolut richtige Zeitpunkt darüber breit zu diskutieren, was New Work eigentlich ausmacht und wie man als Arbeitgeber sich entsprechend transformiert, damit sinnstiftende Arbeit möglich wird. Damit meine ich übrigens nicht den sagenumwobenen Tischkicker oder „keine Mails nach 5“-Richtlinien.

Was ist für mich New Work bzw. was zeichnet für mich New Work aus:

  • Menschzentrierte Arbeit, das bedeutet: der Mensch und seine Bedürfnisse stehen im Vordergrund

  • Der Sinn/Purpose der Mitarbeiter findet sich im Sinn/Purpose der Organisation/des Unternehmens für das sie arbeiten, wieder

  • Maximal mögliche Freiheit und Flexibilität in der Arbeitszeit und -Gestaltung; das beinhaltet ziel-/ergebnisorientierte Führung und Vertrauen

  • Führung ist ein Privileg, welches flexibel einsetzbar ist – je nach Notwendigkeit, Nutzen und benötigter Kompetenz können diese Rolle verschiedenste Menschen einnehmen und wieder abgeben

  • Partizipation, Inklusion und Co-Creation sind wichtige Eckpfeiler


Dass sich die Arbeitswelt anpassen, ja sogar verändern wird und muss, ist nicht erst seit Corona klar. Diese Transformation hat bereits vor längerer Zeit begonnen – durch die Corona-Pandemie ist sie nun allerdings stark in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Das und die absolute Notwendigkeit, alteingebrachtes in Bezug auf die Gestaltung der Arbeit(-sorte, -smittel, -zeit) verändern zu müssen, um die Wirtschaft am Leben zu erhalten, begünstigen die Transformation.

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