New Work braucht ein neues Rollenverständnis

Seitdem ich mich mit New Work beschäftige, ist für mich nicht nur die Frage nach der Gestaltung der Arbeit und Arbeitsräume grundlegend, sondern vor allen Dingen die Frage: sind unsere (gesellschaftlichen) Rollen noch zeitgemäß? Können unsere heutigen Vorstellungen von Geschlechter-/Aufgaben-/-… Rollen New Work überhaupt unterstützen? Oder braucht es ein Umdenken?


Was meine ich mit überhaupt mit Rollen?

Es gibt sowohl die klassischen Frauen- als auch Männerrollen und die Vorstellung davon, was er oder sie zu tun oder auch zu lassen hat. Was gesellschaftlich akzeptiert ist und was überhaupt nicht geht. Selbstverständlich hat auch jeder von uns eine eigene, ganz individuelle Vorstellung von sich und der Welt – inklusive Rollenerwartungen an sich und andere. Dieses Rollenverständnis hat sehr viel damit zu tun, wie wir selbst aufgewachsen sind und was uns vorgelebt wurde. Ich möchte nicht sagen, dass es grundsätzlich ein Falsch oder Richtig dahingehend gibt. Allerdings habe ich das starke Gefühl, dass wir eine echte Transformation in der Arbeitswelt nur hinbekommen, wenn wir uns darüber bewusst sind und das grundlegende Rollenverständnis in Frage stellen.


Ein neues Rollenverständnis gibt New Work mehr Raum

Ihr seht: ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit unseren tradierten Rollen New Work nicht im Ansatz den Raum geben können, den es braucht für eine echte (gesellschaftliche und organisatorische) Transformation. Mich leitet seit einigen Jahren der Satz von Henry Ford „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das was er schon ist“.  Was also können wir tun, um uns selbst und unsere Rollenvorstellung zu verändern? Neue Rollen, die einen Einfluss auf New Work haben, wird es erst geben können, wenn jeder einzelne von uns anfängt, sich und seine Rolle in Frage zu stellen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: es ist nicht einfach. Wir sind alle geprägt und leben in einer Gesellschaft, die uns bestimmte Rollen, wenn nicht aufzwingen, doch nahelegen.

Wer bin ich als Frau und wer möchte ich sein? Von meiner Mutter habe ich gelernt, dass ich selbstbestimmt und unabhängig durch das Leben gehen soll – auch wenn sie es für sich selbst erst spät umgesetzt hat, hat sie mich das bereits früh gelehrt. Auch dass ich alles machen und werden kann, was ich mir vorstelle. Aspekte, die für New Work wichtig, wenn nicht sogar entscheidend, sind. Gepaart mit der Erkenntnis, dass meine Empathie-Fähigkeit, kompromissloser Teamgedanke und meine Emotionalität nicht unprofessionell, sondern das krasse Gegenteil davon und in einer New Work Welt essentiell ist.


Transformation fängt bei uns selbst an

Außerdem müssen wir anders handeln. Für mich persönlich bedeutet das, dass ich Führung übernehme, obwohl (oder vielleicht auch weil) ich keine Managementposition innehabe. Es bedeutet auch, dass ich Aufgaben im privaten Umfeld übernehme, von denen ich lange dachte (und ja, manchmal auch immer noch denke) „das ist eine typische Männeraufgabe“. Bei mir sind das unter anderem: Möbel aufbauen, Fahrradreifen aufpumpen, Anhänger an Autos hängen und so weiter. Und ja: das tut manchmal weh, weil ich keine Lust habe. Ich habe einen Freund, der mich immer wieder daran erinnert, dass ich nicht auf der einen Seite Gender-Gerechtigkeit fordern kann und auf der anderen Seite, dann aber Ausreden finde, bestimmte Tätigkeiten nicht zu machen, weil sie in meinem Rollenverständnis „Männerarbeit“ sind. Das bedeutet aber auch, dass wir los lassen müssen an vielen Stellen und akzeptieren, dass Dinge und Tätigkeiten die wir auf eine bestimmte Art und Weise erledigen, von unseren Kollegen/Partnern anders angegangen werden. Das muss ich aushalten können, ansonsten stellt sich keine Veränderung ein. Weil: „Wer immer tut was er schon kann, bleibt immer das was er schon ist“.


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