Emotionalität und Professionalität

Über diesen einen Satz, der mich von meinen Emotionen am Arbeitsplatz entkoppeln lies, habe ich bereits geschrieben (hier). Vergangene Woche ist mir noch einmal so richtig bewusst geworden, wie falsch dieser Satz ist und welche Verantwortung ich im täglichen Leben habe, dass die Menschen um mich herum niemals so entkoppelt werden, durch Äußerungen von mir.


Ich bin keine Führungskraft im klassischen Sinn. Ich leite einen Teil eines großen Transformationsprogramms und habe ein kleines aber feines, zusammengewürfeltes Team mit dem ich zusammen tolle Dinge tun darf. Sie verlassen sich auf mich und ich verlasse mich auf sie. Wir gewinnen gemeinsam oder wir verlieren gemeinsam. Und jeden Tag sind diese Menschen da und wollen etwas Großes leisten.


Dieses Vertrauen, ja die Vertrautheit, mit- und untereinander war nicht von Anfang an gegeben. Die haben wir uns hart erarbeitet. In dem wir durch unsere Emotionen hindurch sind – gemeinsam und jeder für sich. Ausgelöst durch mich. In dem ich meine Emotionen gezeigt habe, meine Unzufriedenheit, mein Spaß, mein Drang mehr zu wollen, meine Überforderung, habe ich dem Team einen Raum geschaffen, in dem sie das auch tun konnten und immer noch können.


Wie oft höre ich den Satz „wir müssen halt Vorbilder sein“ und danach höre ich nichts mehr. Uninspirierte Stille, weil keine Taten folgen.

Wir können Vorbilder sein, in dem wir WIR sind. Menschen. Mit Gefühlen. Jeden Tag. Auch, nein gerade bei der Arbeit. Es ist so einfach und doch für viele so schwer umzusetzen. Diese Fähigkeit kostet nichts, außer vielleicht Überwindung. In dem wir uns zeigen, wie wir sind und was wir fühlen, machen wir uns angreifbar. Wir haben Angst davor plötzlich nicht mehr dazu zu gehören oder nicht mehr gemocht zu werden. Die große Frage ist: wird das wirklich passieren? Oder passiert das nur in meinem Kopf? Stelle dir die Frage: was kann ich dadurch gewinnen?


Zugang zu meinen eigenen Emotionen und denen meiner Mitmenschen zu haben bedeutet größtmögliche Professionalität. Dadurch ruhe ich in mir – ich werde nicht von meinen Emotionen überrollt und gesteuert, sondern ich habe jederzeit die Kontrolle über mich und meine Emotionen. Nur so kann ich mich und andere durch einen Sturm oder ruhige Gewässer führen.


Unterdrückte Wut, Zorn, Angst führen zu Kontrollverlust. Ohne Kontrolle kann ich nicht führen. Mich selbst nicht und schon gar nicht andere. Ohne Emotionalität gibt es keine Professionalität.


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Dass mir das Thema Emotionen wichtig ist, habe ich in den diversen Blogposts bereits beschrieben. Seit einem Jahr trage ich mich mit dem Gedanken ein Praxisbuch zum Thema „Emotionen in Organisationen“

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