Anpassungsfähigkeit – eine wichtige Kompetenz

Wer in einer Patchwork Familie mit Pendelmodell lebt, weiß was ich mit dem Titel meine. Es gibt immer diese kurze Phase, in der sich alle wieder aneinander anpassen müssen. Bei uns ist das der Montag – je nach Woche vormittags oder nachmittags. In der einen Woche sind mein Freund und ich einfach nur ein kinderloses Paar – wir gehen unseren Hobbies nach, treffen Freunde zu abendlich späterer Stunde, lassen das Essen auch mal sausen am Wochenende oder leben einfach so in den Tag hinein. In der anderen Woche sorgen wir gemeinsam für eine Fünfjährige, haben feste Strukturen und einen klar definierten Alltag. Ihr Wohl bestimmt, was wir tun oder nicht.


Alltag zwischen Kinderprogramm und Zeit als Paar.


In den Wochen in denen sie wieder zu uns kommt, brauchen wir alle eine Phase des Ankommens, des sich-wieder-aufeinander-einstellens, der Anpassung an den Alltag. Wir grooven uns aufeinander ein – jeder auf seine Art und Weise und mit einer besonderen Form der gegenseitigen Rücksichtnahme. Dabei ist es für meine Bonustochter von außen betrachtet wahrscheinlich noch am Schwierigsten, da sie die Pendlerin zwischen zwei Patchwork Familien ist. Sie hat zwei Leben, mit jeweils eigenem Wohnort, eigenem Zimmer, eigenen Spiel- und Anziehsachen. Sie kennt es nicht anders. Sie macht es großartig und ist am Schnellsten von uns in ihrer Anpassungsfähigkeit. Was für eine großartige Kompetenz! Sich schnell auf eine andere Situation, andere (vielleicht auch gar nicht im Großen so unterschiedliche) Regeln, Alltagsgestaltung und Umgebung einstellen können.

Das ist eine Kompetenz, in der ich noch besser werden möchte – vor allem auch im beruflichen Kontext. Wie oft sind wir eingefahren in dem was wir tun oder erwarten. Wie oft verhandeln, diskutieren und streiten wir, weil wir es genauso machen möchten, wie wir uns das vorgestellt haben – und beachten dabei nicht, dass sich unser Gegenüber wahrscheinlich genauso Gedanken gemacht und Vorstellungen vom Vorgehen, vom Projekt etc. entwickelt hat. Wir brauchen eine Zeit der Anpassung im täglichen Miteinander – ein sich-aufeinander einstellen im Büro/im Projekt. Im agilen Kontext gibt es dafür schon ein Format: das Stand-Up. Eigentlich gedacht, um sich schnell gegenseitig aufzuschlauen und gegebenenfalls um Unterstützung im Team zu bitten.


Was, wenn wir das einfach generell in den Start der neuen Woche mitaufnehmen? Weniger Aufgaben-/Projektorientiert, dafür mehr Menschzentriert und persönlich. Eine Möglichkeit sich wieder an den Arbeitsrhythmus gewöhnen, den Montag gemeinsam willkommen heißen – ohne Angst (oh, wie oft habe ich Angst vor dem Montag) und Sorgen, was die Woche so bringt. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich so die Anpassungsfähigkeit des Einzelnen enorm verbessern wird – was dann auch zu mehr Motivation und Effektivität führen kann. New Work ist für mich vor allem: Fokus auf das Individuum im Kontext der Organisation. New Work im Kleinen gedacht, fängt bei Achtsamkeit sich selbst und dem Team gegenüber an. Bei allem Stress und der (wirtschaftlichen) Sorgen können wir in unseren Organisationen/Teams/Projekten/…mehr Raum geben für Anpassung (an Situationen, Gegebenheiten, organisatorischen/strukturellen/kapazitativen…Veränderungen) und gegenseitige Rücksichtnahme.


Wenn „unsere“ Woche vorbei ist, sind mein Freund und ich erst einmal kurz rat- und orientierungslos. Ich räume dann das Zimmer unserer Bonustochter auf, ziehe ihr Bett ab und stelle die Spielsachen, die in der Wohnung verteilt sind, wieder an ihren Platz. Mir hilft das, wieder im anderen Alltag anzukommen.

Wie steht es um Eure Anpassungsfähigkeit im (beruflichen) Alltag?



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